Alles war weg

Veröffentlicht am 20. Juni 2024
Alles war weg

Titelbild von RegalShave auf Pixabay.

Es war ein total stressiger Tag. Es gab wieder einmal tausend Dinge gleichzeitig zu tun. Hektisch packte ich die Sachen fürs Fussball-Training meines Sohnes zusammen. Im Kopf aufzählend – «Wasserflasche, Hallenschuhe, Schienbeinschoner, Stülpen, Fussball-T-Shirt kurze Hose» – damit ich nichts vergesse.

Wir sprinteten zum Auto. Mein Sohn hasst es zu spät zu kommen. Ich auch. «Wir schaffen es rechtzeitig, keine Angst», beruhigte ich ihn. Und wir haben es tatsächlich rechtzeitig in die Turnhalle geschafft.

Nachdem ich meinen Sohn in die Turnhalle gebracht hatte, ging ich schnellen Schrittes zum Auto zurück (zu Hause waren meine zwei anderen Jungs, die Hausaufgaben machen sollten. Mit Betonung auf «sollten», vermutlich suchten sie gerade alle I-Pad-Verstecke ab. Leider kennen sie mittlerweile alle. Und blöderweise wissen sie auch schon, wie man ein elektronisches Gerät orten kann).

Ich steckte den Autoschlüssel ins Schloss. Dachte noch: «Komisch, irgendwie klemmt das Schloss» und warf meine Handtasche auf den Rücksitz. Dann fiel mein Blick Richtung Beifahrersitz. Ich sah eine karierte Decke und wusste in Sekundenschnelle: «Das ist nicht mein Auto!» Wie peinlich. Jetzt wusste ich auch, warum sich der Schlüssel im Schloss so sperrig angefühlt hatte. Das Auto war nicht abgeschlossen worden. Schnell setzte ich mich ins richtige Fahrzeug (selbe Marke, selbe Farbe, ohne karierte Decke).

Ich fuhr nach Hause. Zu Hause griff ich nach hinten Richtung Handtasche. Da war nichts. «Mist, meine Tasche liegt im anderen Auto!» Ich hatte total vergessen, sie herauszunehmen. In diesem Moment realisierte ich, dass mein ganzes Leben in einem fremden Auto lag (Natel, Portemonnaie mit IDs, Kreditkarten …).

So schnell ich konnte, fuhr ich wieder zurück zur Turnhalle. Ich betete (ich betete wirklich!), dass das Auto noch da war und ich einfach meine Tasche herausnehmen konnte. Wie sollte ich erklären, weshalb sich meine Handtasche in diesem Auto befindet?! Und was, wenn das Auto weg war. Dann war es meine Handtasche auch.

Als ich das Auto erblickte, war ich einfach nur froh und erleichtert. Meine Stossgebete wurden erhört. Jetzt musste ich unauffällig meine Tasche herausholen. So gut macht sich das nicht, wenn man Taschen aus fremden Autos nimmt. Auch wenn es die eigene ist.

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